Fit dank Wasser: So geht Kneippen zuhause!

Mann nimmt ein Fußbad zuhause in einem Eimer

Sie haben schon einmal von den gesundheitlichen Vorzügen der Kneippkur gehört, möchten dafür aber nicht unbedingt in einen Kurort fahren? Wir zeigen Ihnen, wie Sie Kneipps Hydrotherapie ganz einfach im heimischen Badezimmer anwenden können und so Ihr Wohlbefinden steigern.

Kneipps Selbstheilungsprozess

Der an Tuberkulose leidende Theologiestudent Sebastian Kneipp versuchte im 19. Jahrhundert mit Wasser seine Krankheit zu heilen. Mithilfe von täglichen kurzen, kalten Badegängen in der Donau und anschließender Bewegung gelang es ihm innerhalb von ein paar Jahren die damals noch unheilbare Krankheit vollständig zu besiegen. Kneippen wurde im Jahre 2015 sogar als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO anerkannt und erfreut sich großer Beliebtheit. Unter anderem wurde der Kneipp-Bund ins Leben gerufen, der Menschen zu einem gesunden Leben verhelfen möchte.

Kneipps 5-Säulen-Prinzip

Kneipp war der Überzeugung, dass die Natur alles bietet, was ein Mensch braucht, um gesund zu sein und gesund alt zu werden. Seine Therapie basiert daher auf fünf Säulen, die den Menschen nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch stärken sollen und so zu einem gesünderen Lebensstil beitragen.

1. Ernährung

Die Gesundheit wird unter anderem dadurch beeinflusst, was der Mensch zu sich nimmt. Kneipp riet dazu tierische Produkte auf dem Speiseplan zu reduzieren und vermehrt Gemüse und Obst zu essen. Durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost stärken Sie das Wohlbefinden Ihres Körpers.

2. Balance

Für Kneipp zählte auch das psychische Wohlbefinden zu einem gesunden Leben. Denn nur, wenn Körper, Seele und Geist im Einklang sind, kann der Mensch mit dem Leben zufrieden sein. Um dies zu erreichen, sollten Sie sich Auszeiten nehmen und bewusst darauf achten, dass der Stress nicht die Oberhand gewinnt. Viele Dinge können zu Ihrer Entspannung beitragen: Machen Sie einen Spaziergang im Grünen, lesen Sie ein gutes Buch oder meditieren Sie.

3. Wasser

Indem verschiedenste Körperregionen im Wechsel mit Kalt- und Warmwasser behandelt werden, werden sowohl die Nerven als auch die Haut und die Blutgefäße angeregt. Dies führt zu einer besseren Durchblutung im Körper, kräftigt zudem das Immunsystem und entspannt den ganzen Körper.

4. Pflanzen

Kneipp war überzeugt, dass Menschen mithilfe von Kräutern ihren Körper heilen und stärken können. Er selbst behandelte zahlreiche Kranke mit bis zu 50 verschiedenen Kräutern.

5. Bewegung

Ein gesundes Maß an Bewegung gehört laut Kneipp zu einem guten Lebensstil dazu. Wenn Sie nicht viel Zeit haben sich oft und ausgiebig sportlich zu betätigen, dann können Sie auch spazieren gehen oder einige Bewegungen wie das tägliche Treppensteigen in den Alltag einbauen, um Ihre Fitness zu fördern.

Spaziergang im Wald

Bewegen stellt eine wichtige Grundlage für ein gesundes Leben dar.

Hydrotherapie – ganz einfach im eigenen Bad

Kneipp entwickelte rund 120 Anwendungen, die den Körper mit gezieltem Einsatz von Warm- und Kaltwasser auf unterschiedlichste Weise stärken sollen. Dazu zählen unter anderem Waschungen, Güsse, Wickel, Bäder für Füße oder Arme, Wassertreten, Wechselbäder und Bürstenmassagen. All dies können Sie auch zu Hause im eigenen Badezimmer durchführen und so Ihrem Körper etwas Gutes tun.

Achtung: Das gilt es zuhause zu beachten

Bevor Sie jedoch mit dem Kneippen anfangen, sollten Sie ein paar Punkte beachten, damit die Anwendungen auch ihr volles Potential entwickeln.

Die richtige Wassertemperatur

Beim Kneippen wird von warmen und kalten Güssen gesprochen. Dabei soll das warme Wasser eine Temperatur von 34 bis 38 Grad und das kalte 8 bis 12 Grad aufweisen. Verwenden Sie ein Thermometer, um so die perfekte Temperatur bestimmen zu können.

Warm und heimelig

Bevor Sie einen kalten Guss vornehmen, sollten Sie sicherstellen, dass nicht nur die Temperatur im Badezimmer 20 Grad beträgt, sondern auch keine Zugluft herrscht. Bevor Sie kaltes Wasser anwenden, sollte Ihr Körper warm sein und nicht frösteln. Nur so erzielen Sie optimale Erfolge.
Insbesondere nach kalten Wasseranwendungen ist es wichtig, den Körper schnell wieder zu erwärmen. Dies erreichen Sie am besten durch Bewegung.

Besser nicht am Abend

Legen Sie kalte Güsse nicht in die Abendstunden, da das kalte Wasser den Kreislauf anregt und Sie somit vom Schlafengehen abhalten könnte.

Frau schläft

Vermeiden Sie Kneipps Hydrotherapie-Anwendungen am Abend, da Ihr Schlaf dadurch gehemmt werden könnte.

Auf die Zeit achten

Planen Sie mehrere Anwendungen, so sollten Sie Ihrem Körper eine Pause von rund zwei Stunden gönnen. Auch sollte man keinen Guss vor oder nach einer Mahlzeit einplanen. Nach einer Mahlzeit sollte der Körper genug Zeit haben, um die Mahlzeit zu verdauen, bevor Sie kalte Anwendungen machen.

Bei Bedenken lieber zum Arzt

Eine Studie der Universität Halle-Wittenberg belegt, dass der Wechsel von Warm- und Kaltwasser die Gesundheit fördert und das Immunsystem stärkt. Wenn Sie jedoch an einer Vorerkrankung leiden, sollten Sie lieber Ihren Arzt konsultieren, bevor Sie Kneipps Hydrotherapie anwenden. Denn bei einigen Erkrankungen kann sich Kneipps Kur negativ auf den Körper auswirken. Zu nennen sind hierbei unter anderem arterielle Verschlusskrankheiten und offene Wunden. Leiden Sie an einer Überfunktion der Schilddrüse oder Bluthochdruck? Dann sollten Sie auf warme Nackengüsse unbedingt verzichten.

Ihre Füße werden nach einem kalten Guss einfach nicht mehr warm? Dann sollten Sie bestenfalls einen Arzt aufsuchen, da es sich hierbei um eine Verschlusskrankheit handeln könnte.

4 Kneipp-Anwendungen für zu Hause

Sie können Kneipps Therapie ganz einfach zu Hause anwenden. Mit diesen vier Anwendungen bringen Sie Ihre Fitness und Ihr Wohlbefinden auf Vordermann.

1. Wechselbad / Wechseldusche

Wechselbäder erweisen sich insbesondere in der kalten Jahreszeit als Segen, denn sie können zur Stärkung der Abwehrkräfte beitragen. Wer nicht so viel Zeit hat, kann Kneipps Hydrotherapie auch bei der morgendlichen oder abendlichen Dusche anwenden.

Anwendung

Für ein Wechselbad benötigen Sie zwei Eimer oder andere Gefäße, die groß genug sind, um genug Wasser zu beinhalten, damit Ihre Füße und die untere Hälfte Ihrer Waden bedeckt sind. Baden Sie Ihre Füße für 10 Minuten im warmen Wasser und wechseln Sie dann für 30 Sekunden in kaltes Wasser. Wiederholen Sie diesen Schritt drei Mal. Da das letzte Bad kalt sein sollte, ist es wichtig die Füße danach durch Bewegung wieder aufzuwärmen.

Wenn Sie nicht so viel Zeit haben, dann können Sie wahlweise beim Duschen warmes und kaltes Wasser abwechselnd einsetzen: Dafür sollten Sie rund 3 Minuten warm duschen und danach kaltes Wasser einsetzen. Fangen Sie hierzu auf der linken Körperseite an, indem Sie mit dem warmen Duschstrahl von Ihrem Fuß auf der Rückseite Ihres Beines bis zum Gesäß hochfahren. Wiederholen Sie dies auf der rechten Seite mit warmem Wasser. Führen Sie anschließend die gleichen Bewegungen links und rechts mit kaltem Wasser durch.

Bei der oberen Hälfte Ihres Körpers können Sie ähnlich verfahren. Dabei fangen Sie bei den Fingerspitzen an und fahren bis zur Schulter hoch. Empfindliche Körperstellen wie der Bauch und Brust sollten nur kurz mit kalten Wasser abgebraust werden. Wiederholen Sie diesen Warm-Kalt-Wechsel noch ein weiteres Mal.

Frau duscht

Abwechselnd mit kaltem und warmem Wasser abbrausen.

Wirkung auf Körper und Wohlbefinden

Durch diese Anwendung stärken Sie Ihr Immunsystem, Lymphbahnen und Blutgefäße.

2. Wassertreten leichtgemacht

Wassertreten lässt sich auch ohne nahegelegenen Fluss oder Bach ganz einfach in der heimischen Badewanne ausführen.

Anwendung

Lassen Sie hierzu kaltes Wasser in Ihre Badewanne oder ein geeignetes Gefäß bis zur Wadenhöhe ein. Beim folgenden Auf-der-Stelle-treten sollten Sie darauf achten, die Beine bei jedem Schritt komplett aus dem Wasser zu heben. Führen Sie diese Anwendung höchstens rund eine Minute durch oder brechen Sie auch früher ab, falls die Kälte zu unangenehm wird. Nach der Anwendung ist es wichtig die Füße durch Bewegung aufzuwärmen, wahlweise können Sie auch warme Socken anziehen.
Tipp: Wenn Sie direkten Zugang in einen Garten haben, dann können Sie statt dem Wassertreten auch barfuß im Winter durch den Schnee laufen. Machen Sie dies für rund 10 Sekunden und wärmen Sie anschließend Ihre Füße gut auf.

Barfuß im Schnee

Wer sich im Winter traut: Laufen Sie einfach mal barfuß durch den Schnee – und dann schnell ab ins Warme!

Wirkung auf Körper und Wohlbefinden

Wassertreten hat einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Zudem fördert es die Durchblutung und den Stoffwechsel.

3. Guss für das Gesicht

Für einen Frische-Kick am Morgen können Sie mit folgendem Gesichtsguss in den Tag starten.

Anwendung

Schrauben Sie hierfür den Duschkopf ab, da Sie den sanften Strahl des Duschschlauchs benötigen, und legen Sie sich ein Handtuch in den Nacken. Über die Badewanne gebeugt fangen Sie bei der rechten Schläfe an und umfahren das Gesicht mehrmals mit dem kalten Wasserstrahl. Sie können dabei auch den Wasserstrahl von den Nasenflügeln zu den Wangenknochen führen.

Wirkung auf Körper und Wohlbefinden

Gesichtsgüsse können bei Kopfschmerzen und Zahnpochen, aber auch bei Abgeschlagenheit helfen. Zusätzlich dazu regt das kalte Wasser die Durchblutung an und sorgt so für eine frische Haut.

4. Kaltes Bad für die Arme

Wenn Sie Ihr Gesicht ungerne mit kaltem Wasser behandeln, sich aber dennoch einen frischen Start am Morgen wünschen, dann probieren Sie ein Armbad aus.

Anwendung

Führen Sie zuerst den rechten Arm bis zur Mitte des Oberarms in kaltes Wasser, welches Sie in Ihr Waschbecken einlaufen lassen. Wiederholen Sie dies nach ungefähr 10 bis 40 Sekunden mit dem linken Arm. Um die Arme zu erwärmen können Sie diese zum Schluss hin- und herschwingen.

Wirkung auf Körper und Wohlbefinden

Armbäder helfen das Herz, die Lunge und die Arme besser zu durchbluten. Zusätzlich können sie gegen Müdigkeit eingesetzt werden.

Mehr Tipps für Ihr Wohlbefinden

Wenn Sie sich zusätzlich zum Kneippen etwas Gutes tun möchten, dann können Sie noch in die Sauna gehen. Wir zeigen Ihnen, wie Saunieren richtig geht, damit Sie die Vorteile eines Saunagangs richtig ausschöpfen können.

Bilder: Titelbild: ©iStock / kzenon; Bild 1: ©iStock / straga; Bild 2: ©iStock / Eva-Katalin; Bild 3: ©iStock / albertogagna; Bild 4: ©iStock /rudigobbo

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*